Hast du deine Schüler schon einmal öffentlich gelobt? Ja, wendest du jetzt vielleicht ein, aber dieses Loben vor der gesamten Klasse mögen sie gar nicht. Stimmt, das habe ich auch schon festgestellt. Schülern ist es eher peinlich, wenn man sie vor den Augen ihrer Mitschüler ausdrücklich lobt. Jedoch meine ich mit der Überschrift dieses Blog-Beitrags nicht dieses Loben im Klassenraum vor der ganzen Gruppe. Ich meine damit ein Loben außerhalb des Klassenzimmers. Du kannst beispielsweise einzelne Schüler oder auch die ganze Klasse lobend im Lehrerzimmer oder auf dem Schulhof erwähnen. Und ich meine, dass du auf die Frage einer Kollegin, wie es denn mit Klasse XY gerade läuft, positiv antwortest und dich bewusst dagegen entscheidest, ihr jetzt von der einen problematischen Situation in der letzten Stunde zu erzählen.

Entscheide dich gegen den Frust

Leider sind Lehrerzimmer allzu oft Orte, in denen in manchen Ecken gejammert und schlecht über Schülerinnen und Schüler gesprochen wird. Damit meine ich nicht, dass man gar nicht über problematische Schülerinnen und Schüler sprechen sollte. Aber die Art und Weise, wie dies an manchen Tischen geschieht, ist oft weder konstruktiv noch förderlich noch in irgendeiner Weise zielführend, sondern leider von Frust geprägt. Selbst dieser Frust mag an der ein oder anderen Stelle durchaus berechtigt und nachvollziehbar sein. Aber er hat noch selten zu positiven Veränderungen und Entlastungen geführt.
Viel mehr dürfen wir Lehrerinnen und Lehrer es uns immer wieder bewusst machen, dass wir die Stimmungsmacher in der Schulgemeinde und erst recht in unseren Klassenzimmern sind. Und damit haben wir die Wahl, ob wir uns dem Frust hingeben oder eine fröhliche und positive Stimmung verbreiten. Indem du deine Klasse oder auch einzelne Schüler aus dieser Klasse außerhalb des Klassenzimmers lobst, bist du ein positiver Stimmungsmacher.

Was glaubst du, was passieren wird, wenn die Kollegin, dein positives Feedback an deine Klasse weiterträgt? Wird dies einen positiven oder negativen Effekt auf die Klasse haben? Richtig. Es wird die Kinder und Jugendlichen in dem von dir gelobten oder gewünschten Verhalten bestätigen. Es wird sie dazu veranlassen, sich bewusst oder unbewusst dieses Lobes als würdig zu erweisen.

Nutze die Magie des öffentlichen Lobs

Einen ähnlichen Effekt hat es, wenn du deiner Klasse selbst erzählst, dass du sie gerade bei Herrn XY gelobt hast. Du benötigst also nicht zwangsläufig eine Person, die dein Lob überbringt. Du kannst im Übrigen auch ein Verhalten loben, dass die Schülerinnen und Schüler erst im Ansatz zeigen, welches du aber gerne verstärken möchtest. Erwähnst du genau dieses zu verstärkende Verhalten positiv gegenüber einem Kollegen oder sogar gegenüber der Schulleitung und erzählst deiner Klasse davon, zeigst du den Kindern und Jugendlichen dadurch, dass du ihr Bemühen siehst und anerkennst. Du zeigst ihnen letztendlich, dass du ihn etwas zutraust und genau das führt dazu, dass die Mechanismen der sogenannten selbsterfüllende Prophezeiung greifen. Tatsächlich wird sich dieses Verhalten in deiner Klasse in Zukunft noch stärker ausprägen. Ich möchte dich mit diesem Blog-Beitrag also dazu ermuntern, die wunderbare Magie des öffentlichen Lobes ganz bewusst und häufiger einzusetzen. Du wirst sehen, welche wunderbaren Veränderungen sich dadurch ergeben.

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Dies ist ein Beitrag von Claudia Rehder

Claudia Rehder; Bildnachweis: Eveline Conrads | Offenbach am MainClaudia Rehder ist erfahrene Lehrerin und Coach. Auf ihrer Online Plattform TeachersUp, in Workshops und Coachings bereitet sie Lehrer optimal auf ihren Beruf vor und unterstützt sie bei allen Herausforderungen des Schulalltags. Ihr Wunsch ist es, dass Lehrerinnen und Lehrer für und nicht gegen sich arbeiten.

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