Die aktuelle Situation der Coronakrise stellt uns alle vor neue Herausforderungen. Wir Lehrerinnen und Lehrer unterrichten unsere Schülerinnen und Schüler bereits seit Wochen aus dem Homeoffice heraus. Obwohl wir es ja gewöhnt sind, einen Teil unserer Arbeit zu Hause zu erledigen, fühlt es sich jetzt für viele von uns anders und mitunter auch anstrengender an. War unser Arbeitstag durch die Vormittage in der Schule bislang gut durchstrukturiert, so müssen wir nun selbst eine sinnvolle Struktur finden. Zudem scheinen durch die Verwendung digitaler Kommunikationswege zwischen Schülern, Eltern und Lehrern zeitliche Grenzen völlig aufzuweichen.

Annähernd zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichen uns nun Nachrichten, die von uns beantwortet werden wollen. Über entsprechende Apps erreichen uns diese auch auf dem Smartphone, dass wir ja ständig, also auch in unserer Freizeit, bei uns tragen. Grenzen verwischen und wenn wir gerade sowieso gewohnheitsmäßig unsere Nachrichten checken, sehen wir natürlich automatisch auch die beruflich bedingten. Es gelingt uns kaum, sie zu ignorieren und wenn wir sie nachts um 23 Uhr noch eben schnell gelesen haben, ist die Hürde, sie nicht mehr zu beantworten, verschwindend gering. Also tippen wir rasch die kurze Antwort ein. Erledigt. Und obwohl wir uns genau darüber auch freuen, bleibt doch dieser schale Beigeschmack zurück: das Gefühl, irgendwie nie fertig zu sein.

Vielleicht ergeht es dir ja ähnlich und auch dir fällt es schwer, die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit klar zu definieren. Damit dir genau das immer besser gelingt, habe ich folgende Tipps für dich.

Auch das Homeoffice braucht Struktur

Strukturiere deinen Tag so gut wie möglich. Stehe täglich um dieselbe Zeit auf und fange um dieselbe Zeit an. Finde ein Anfangsritual für deinen Tag. Dies kann beispielsweise eine Meditation oder ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft vor Arbeitsbeginn sein.

Schreibe zu Beginn deines Arbeitstags eine To-Do-Liste, die alle Aufgaben enthält, die du erledigen willst. Binde auch private Aufgaben, wie Wäsche waschen, Home Schooling mit den Kindern oder den Anruf bei der besten Freundin mit ein. Vielleicht hilft es Dir, hinter jede Aufgabe die Zeit zu schreiben, die du dazu voraussichtlich benötigen wirst. Auf diese Weise kannst du kurze Aufgaben leichter von komplexeren unterscheiden. Oft überfordern wir uns dadurch, dass wir alle Aufgaben auf unserer To-Do-Liste an einem Tag erledigen wollen. Daher ist es sinnvoll, wenn du diese priorisierst und dir jeden Tag nur zwei oder drei Aufgaben vornimmst, die du wirklich erledigen musst und die du vor allem realistisch bewältigen kannst. Das führt am Ende des Tages zu größerer Zufriedenheit.

Zudem ist es psychologisch sinnvoll, zuerst die großen, unangenehmen Aufgaben zu erledigen und Routineaufgaben an den Schluss des Arbeitstages zu setzen.

Pausen sind Gold wert

Was viele von uns vergessen, ist das bewusste Einplanen von Pausen. Gerade eine Mittagspause, die ruhig eine Stunde dauern darf, aber auch kleinere Kaffeepausen zwischendurch, in denen man sich etwas bewegt, sind von äußerster Wichtigkeit. Fast ebenso wichtig wie die Pause selbst, ist es dabei, das Zimmer für die Pause, wenn möglich, zu verlassen. Iss nicht am Schreibtisch zu Mittag. Einen echten Erholungseffekt erreichst du bekanntlich nur, wenn du dem Arbeitsplatz einmal für eine gewisse Zeit den Rücken zukehrst und dein Gehirn mit etwas anderem beschäftigst. Dies kannst du erreichen, indem du z.B. Musik hörst, ein Kapitel in einem Roman liest oder mit deiner Familie gemeinsam isst.

Mit der Nachrichtenflut konstruktiv umgehen

Während manche Schulen bereits mit speziellen Messenger-Diensten arbeiten, kommunizieren andere per E-Mail mit Schülern und Eltern. Um zu vermeiden, dass schulische und private E-Mails sich vermischen, empfehle ich dir, eine E-Mail-Adresse für schulische Belange einzurichten. Auf diese Art und Weise kannst du zum einen leicht zwischen beruflichen und privaten Nachrichten unterscheiden. Zum anderen lassen sich die schulischen Nachrichten dadurch besser ignorieren. Zusätzlich kannst du festlegen, dir diese Nachrichten z.B. nicht auf dem Smartphone anzeigen zu lassen.

Auch kann es in diesem Zusammenhang hilfreich sein, wenn du für dich selbst bestimmte Zeiten festlegst, die du bewusst und ausschließlich für die Beantwortung und das Schreiben von Nachrichten nutzt. Außerhalb dieser Zeiten hingegen beantwortest du Nachrichten dann nur in dringenden Ausnahmefällen. Die Tatsache, dass man dir nun zu jeder Tages- und Nachtzeit eine Nachricht schreiben kann, sollte nicht dazu führen, dass du diese Nachrichten auch zu jeder Zeit beantwortest. Wie in jedem Büro darf es auch im Homeoffice des Lehrers bestimmte Sprech- und Öffnungszeiten geben.

Den Absprung finden

Als besonders schwierig wird von vielen der Ausstieg aus dem Arbeitstag bzw. die Trennung zwischen Arbeit und Freizeit empfunden. Auch hier kann dir sehr empfehlen, ein passendes Ritual zu finden, das für dich persönlich das Ende deines Arbeitstages symbolisiert. Dies kann das simple Zuklappen des Notebooks sein, ein Spaziergang um den Block oder das Verlassen des Arbeitszimmers. Gut ist auch, wenn du zum Schluss noch deine To-Do-Liste abgehakst und für den kommenden Tag ergänzt. Letzteres macht nämlich zusätzlich deinen Kopf frei und hilft dir, die Arbeit wirklich hinter dir und im Homeoffice zu lassen.

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Dies ist ein Beitrag von Claudia Rehder

Claudia Rehder; Bildnachweis: Eveline Conrads | Offenbach am MainClaudia Rehder ist erfahrene Lehrerin und Coach. Auf ihrer Online Plattform TeachersUp, in Workshops und Coachings bereitet sie Lehrer optimal auf ihren Beruf vor und unterstützt sie bei allen Herausforderungen des Schulalltags. Ihr Wunsch ist es, dass Lehrerinnen und Lehrer für und nicht gegen sich arbeiten.

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