Rituale im Schulalltag – gerade in der Vorweihnachtszeit leicht umsetzbar

Rituale sind für Kinder und Jugendliche sehr wichtig und – gelinde gesagt – erleichtern sie die Erziehung auch in gewisser Weise. Erinnern Sie sich einmal selbst an die Rituale Ihrer Kindheit. Was fällt Ihnen zuerst ein? Mir kommen vor allem Rituale rund um das Weihnachtsfest in den Sinn. Jedes Jahr wieder wird das Fest mit Spannung erwartet. Auch dass die ersten Lebkuchen bereits im September in den Supermarktregalen stehen, könnte man mit einem Augenzwinkern als Ritual bezeichnen.

Eine liebe Freundin von mir fährt jedes Jahr zu ihrer Mutter nach Hause zum Plätzchen backen. Mittlerweile sind ihre eigenen Töchter ausgezogen und sie hat das Ritual weitergegeben. Heuer treffen sich drei Generationen zum Backen. Bereits in der ersten Schulwoche dieses Schuljahres haben meine muslimischen Schülerinnen gefragt, ob wir es uns heuer in der Adventszeit wieder gemütlich machen, sie einen Adventskalender bekommen und ich wieder eine Geschichte vorlese.

Hier sieht man deutlich, wie wichtig Kindern solche Rituale sind, egal welche Konfession sie haben. Natürlich behandeln wir im Unterricht auch, wie Weihnachten in anderen Ländern gefeiert wird oder welche Nikolausbräuche es ein der ganzen Welt gibt. Aber am wichtigsten ist meinen Schülern das eigene Fest.

Adventskranz, Backen, Vorlesen…

Ich habe meine Klasse nun bereits das dritte Jahr als Klassenleitung, somit wissen die Jugendlichen schon, was auf sie zu kommt und, wie sie sehen, fordern sie es mittlerweile auch von mir ein. In der Adventszeit beginnen wir den Tag immer mit einem gemütlichen Stuhlkreis. Wir gruppieren uns um unseren Adventskranz. Der Adventskranz wird von jeder Klasse selbst gestaltet oder besorgt und in einer kleinen Andacht zu Beginn der Adventszeit vom Pfarrer gesegnet. Ich besorge Plätzchen, oder die Kids bringen welche mit und wir zünden entsprechend der Adventszeit entsprechend eine Kerze an. Morgens versammeln wir uns um den Kranz und ich lese den Kids eine Geschichte vor.  Auch die großen Kinder lieben es noch, wenn sie etwas vorgelesen bekommen.

In der Mittelschule wird den Schülern leider nicht mehr allzu viel vorgelesen, auch zu Hause nicht. Aber gerade im Sinne der Wortschatzbildung ist dies in meinen Augen unerlässlich. Auch im Hinblick auf die vielen DaZ-Schüler, die wir mittlerweile unterrichten. Das Vorlesen schult zudem das Hörverstehen und schult unterstützt beim Lernen der Aussprache.

Zum Vorlesen eignen sich Weihnachtskrimis in 24 Kapiteln besonders gut. Einer der Vorreiter hierfür ist der Kinderbuchautor Jo Pestum. Mittlerweile haben viele Verlage nachgezogen und bringen vor Weihnachten spezielle Bücher heraus. Das Tolle an diesen Weihnachtsgeschichten ist, dass die Bücher keine normalen Seiten haben. Zwei Seiten sind immer miteinander verbunden, allerdings so perforiert, dass man sie locker mit einem Lineal auseinandertrennen kann. So liest man jeden Tag ein Kapitel und es kann kein Schüler oder Lehrer heimlich schummeln, wie es weiter geht, schließlich sind ja die Seiten „verschlossen“.

Eine weitere Variante zum Knobeln sind die „Geschichten der 1000 Gefahren“. Hier müssen die Schüler, teilweise Sachen „sammeln“ und sie in der weiteren Geschichte verwenden. Damit man sich die gesammelten „Gegenstände“ merken kann, schreiben wir sie auf kleine Zettel, die wir an der Tafel sammeln und bei Gebrauch wegnehmen.  Am Ende eines Abschnitts müssen die Kids dann selbst entscheiden, wie es weitergeht oder welchen Weg sie einschlagen. So erhält sich die Spannung bis zum nächsten Tag und die Kids fiebern bereits darauf hin, wie es weitergeht.

…und wichteln!

Unsere Weihnachtsrituale gipfeln dann selbstverständlich in einer Weihnachtsfeier. Die Kinder wünschen sich auch dieses Jahr wieder zu „wichteln“. Wichteln bedeutet, dass jedes Kind einem anderen Kind, eine kleine Freude macht, ohne dass der Beschenkte weiß, von wem das Geschenk ist. Die Teilnahme daran ist freiwillig und wir haben als Maximalbetrag für das Geschenk 5 Euro angesetzt. Zu Beginn der Adventszeit zieht jeder der mitmachen möchte einen Namen eines Mitwichtlers. Die Aufgabe besteht dann darin, zum einen ein kleines Geschenk zu besorgen und zum anderen nett zu seinem Wichtel zu sein, so dass dieser vor Weihnachten vielleicht erraten kann, wer sein Wichtel ist. Am Tag vor den Weihnachtsferien feiern wir dann mit Punsch und Plätzchen und machen unsere Geschenke auf.


Dies ist ein Beitrag von Christiane Vatter-Wittl

Christiane Vatter-Wittl ist erfahrene Lehrerin und Schulbuchautorin, beides aus Leidenschaft. Mit schülerfreundlichen und schnell einsetzbaren Materialien möchte sie den Arbeitsalltag der Kolleginnen und Kollegen bereichern und vereinfachen. Gerne teilt sie Ihre Erfahrungen und Ihr Wissen aus der Unterrichtspraxis.

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