Über guten Unterricht ist schon eine Menge geschrieben worden. Manche Methoden werden dabei besonders hervorgehoben. Andere werden in eine dunkle Ecke gestellt, sodass man sich fast schämt, wenn man sie dennoch verwendet und damit trotzdem gute Erfahrungen macht.
Fest steht, dass Unterricht ein viel zu komplexes Gebilde ist, um ihm einfach ein bis fünf passende Methoden überzustülpen, die deine Stunden dann wie von Zauberhand besser machen. Verallgemeinerungen in Bezug auf Unterricht funktionieren einfach nicht. Dazu variieren Schulen, Schüler, der soziale Einzugsbereich, räumliche Gegebenheiten und sonstige Rahmenbedingungen viel zu stark. Daher möchte ich dir in diesem Blog-Beitrag die Angst vor den Stempeln „guter bzw. schlechter Unterricht“ nehmen. Vielmehr möchte ich den Versuch unternehmen, einfache und nachvollziehbare Kriterien aufzuzeigen. Ich würde mich freuen, wenn sie dir den Druck nehmen und dich dazu ermuntern, dein Ding zu machen.

Unterricht muss sich anpassen

Ja, du hast richtig gelesen. Letztendlich muss Unterricht sich an die Gegebenheiten anpassen. Letztendlich machst du als Lehrerin bzw. Lehrer dir deinen Unterricht so, wie er dir gefällt. Hier kommt Pippi Langstrumpf ins Spiel. Wenn dir deine eigenen Stunden gefallen und du dich mit den Methoden, die du verwendest, wohlfühlst, dann merken das auch deine Klassen. Positive Auswirkungen lassen dann nicht lange auf sich warten. Wenn du begeistert bist und deine Sache mit Überzeugung und Herzblut machst, wirst du auch deine Schüler begeistern.

Dein Unterricht muss also zu dir und deiner Persönlichkeit passen. Wenn du zum Beispiel nicht gerne im Mittelpunkt stehst, wirst du vielleicht eher schülerzentrierte Methoden bevorzugen, während ein anderer mit Freude brilliante Frontalphasen in seine Stunden einbaut. Probiere verschiedene Methoden aus und verwende dann vor allem die Methoden, mit denen du dich richtig wohlfühlst.

Selbstverständlich muss dein Unterricht aber auch zu deiner Klasse passen. In einer eher unruhigen Klasse mögen Methoden, bei denen der Lehrer stärker führt, sinnvoller sein. Andere Klassen hingegen kann man selbständiger arbeiten lassen. Wichtig ist, dass du deine Klasse schnellstmöglich gut kennen lernst, um deinen Unterricht optimal an die vielfältigen Gegebenheiten anpassen zu können.

Zuletzt muss sich Unterricht auch dem Thema der Stunde bzw. Unterrichtseinheit anpassen. Die gewählte Methode sollte diesem nach Möglichkeit dienen und es nicht überstrapazieren. Nichts ist ermüdender als ein aufwändiges Gruppenpuzzle zu einem kleinen Nebenthema oder ein endloser Lehrervortrag zu einem Teilaspekt, der später keine Rolle mehr spielt. Nutze Methoden also sinnvoll und nicht nur um ihrer Selbst willen.

Flexibilität als wichtigster Faktor

Weitere Aspekte, die in meinen Augen deine Stunden erst so richtig gut machen, sind die vielgepriesene Handlungsorientierung und eine klare Struktur. Ebenso wichtig sind ein klares Ziel, die Orientierung an der Lebenswirklichkeit der Schüler und immer wieder der lebensnahe, praktische Bezug. Das, was gelernt wird, soll bestenfalls im Alltag anwendbar sein und als sinnvoll erlebt werden. Erst dann lernen unsere Klassen wieder fürs Leben und nicht nur für die Schule.

Aber weil Unterricht eben ein solch komplexes Gebilde ist, verläuft kaum eine Stunde so glatt, wie sie einmal auf dem Papier geplant wurde. Es kommen Dinge dazwischen, wie Unterrichtsstörungen oder Konflikte, die aus der Pause in den Klassenraum mitgebracht werden. Und manchmal haben die Kinder den Stoff der letzten Stunde einfach noch nicht verstanden.
Deshalb sind Flexibilität und die Fähigkeit, mit Unvorhergesehenem umgehen zu können, vielleicht die wichtigsten Grundvoraussetzungen für das Gelingen des Unterrichtsalltags. Wenn ein Streit die Klasse beschäftigt oder die Kenntnisse der Schüler nicht ausreichen, um den geplanten Stoff zu verstehen, muss Pippi Langstrumpf für einen Moment die Füße still halten. Denn wertschätzende Beziehungsarbeit und Ermutigung bewirken so viel mehr als jede noch so tolle Methode. Vielmehr bilden sie nach meiner Erfahrung erst die entscheidende Grundlage, auf der guter Unterricht entstehen kann.

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Dies ist ein Beitrag von Claudia Rehder

Claudia Rehder; Bildnachweis: Eveline Conrads | Offenbach am MainClaudia Rehder ist erfahrene Lehrerin und Coach. Auf ihrer Online Plattform TeachersUp, in Workshops und Coachings bereitet sie Lehrer optimal auf ihren Beruf vor und unterstützt sie bei allen Herausforderungen des Schulalltags. Ihr Wunsch ist es, dass Lehrerinnen und Lehrer für und nicht gegen sich arbeiten.

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