Am Anfang eines neuen Schuljahres muss vieles organisiert werden. Der Klassenraum muss neu hergerichtet werden, damit die Lernumgebung auch einladend wirkt. Viele Listen müssen abgeglichen werden, Bücher werden neu bestellt oder noch aussortiert. Entsprechende Lehrerhandreichungen müssen neu gesichtet werden. Daneben gilt es auch die ersten Schultage vorzubereiten und zu strukturieren. Viele Schulen nutzen auch die ersten Schultage für den obligatorischen ersten Wandertag. Bei uns wird dieser auch gerne genutzt um die Klasse besser kennen zu lernen und das Gemeinschaftsgefühl zu bestärken.
Im kommenden Schuljahr darf ich meine Klasse allerdings weiter führen und wir kennen uns bereits gut. So habe ich mir wieder eine schöne Aktion einfallen lassen, um das Gemeinschaftsgefühl gleich am Schuljahresanfang wieder zu stärken, schließlich haben wir uns jetzt sechs Wochen nicht gesehen.

Für den Wandertag oder auch einmal zwischendurch, je nach örtlichen Begebenheiten, bieten sich Rallyes oder Schnitzeljagden an. Für diesen Wandertag haben sich meine Jugendlichen für eine Stadtrallye entschieden. Zugegeben, eine Stadtrallye bedeutet ein wenig Vorarbeit, doch ist man ortskundig, so ist diese relativ schnell erstellt. Ich schicke meine SchülerInnen somit am Wandertag los. Jeweils in Kleingruppen, denn eine unserer Hauptdevisen lautet: „Keiner geht alleine!“  So kann zur Not ein Schüler Hilfe holen, falls doch etwas passieren sollte. Zum Thema Gemeinschaftsgefühl ist mir auch wichtig, dass sich die Kids in Kleingruppen verstehen und aufeinander verlassen können. Das große „Wir“ kommt später automatisch.

In der Schule bekommen sie Umschläge mit Aufgabenkarten und einem Stadtplan.

Zur Umsetzung dürfen sie aber in diesem Fall auch das Handy als Wegweiser benutzen, sofern es die technische Ausstattung erlaubt. Kniffliger wird es mit einem gedruckten Stadtplan. Außerdem finde ich, dass es durchaus zu den Kompetenzen junger Erwachsener gehört, sich auch einmal auf einem Stadtplan zurecht zu finden und zu wissen, wo man nachschauen kann. Der Plan auf dem Handy hat auch seine Tücken, doch dazu später.

Ich bereite ihnen im Vorfeld einen Weg vor, den sie locker leisten können. Sowohl aufsichtstechnisch als auch vom körperlichen Anspruch.

Das Ziel ist bereits vorgegeben.  Zum einen können sich die SchülerInnen so darauf verlassen, dass jemand am vereinbarten Treffpunkt ist, zum anderen haben sie eine Anlaufstelle, falls etwas unklar ist, oder etwas passieren sollte. Drittens haben sie ein klares Ziel und eine feste Uhrzeit zu der sie zurück sein sollen, auch wenn sie nicht alle Aufgaben schaffen sollten und sich irgendwo verzetteln.

Bei meiner diesjährigen Rallye, erkunden die Teenager erst einmal das nähere Umfeld unserer Schule und der Nachbarschulen. Gleich nebenan haben wir die Realschule mit einem Hallenbad. Davor stehen einige Metallskulpturen, die auf sportliche und musische Tätigkeiten hinweisen, die dort sehr groß geschrieben werden. Meine Schüler sollen zunächst den vollen Namen der Realschule herausfinden, anschließend die Skulpturen finden, beschreiben, was sie darstellen und sich anschließend dort fotografieren.

Stationen zum Fotografieren gibt es immer wieder im Laufe der Rallye. Das ist ein riesen Spaß für die Kids. Entweder sollen sie sich selbst fotografieren, oder auch ein bestimmtes Schild/Zeichen. So kann man am Ende kontrollieren, ob die Kids wirklich am entsprechenden Ort waren. Das ist besonders wichtig, wenn die Kids, wie oben schon erwähnt, mit dem Handy als Navigationsgerät unterwegs sind. Da meine Kids dieses Mal schon sehr ortskundig sind und es bereits ihre zweite Rallye wird, habe ich eine eigentlich unlösbare Aufgabe an sich mit eingebaut. Dass diese auf zwei Arten unlösbar wird, habe ich im Vorfeld nicht geahnt.

Die Aufgabe lautete: „Stelle fest, ob die Ziffern auf der Uhr der evangelischen Kirche römische oder arabische Ziffern sind.“ Von meiner Seite aus unlösbar, da unsere evangelische Kirche überhaupt keine Uhr hat und somit auch keine Ziffern. (Ich war so nett und habe im Vorfeld gesagt, dass eine Aufgabe vor Ort wahrscheinlich nicht lösbar sein wird!) Von Seiten der Kids aus, allerdings auch nicht lösbar, da alle das Handy benutzen und sie nur die  hoch über der Stadt thronende katholische Kirche kennen. In einem Stadtplan hätten sie in der Legende ein weiteres Gotteshaus eingezeichnet gesehen. Da die evangelische Kirche aber am Rande des Stadtzentrums liegt, fanden die Kids diese nicht in ihrer App.

Da sie auch, wie bereits in meinem letzten Beitrag bereits beschrieben, schnell zufrieden sind mit den ersten Suchergebnissen, gaben sie die katholische Kirche als evangelisch aus und alle hatten römische Zahlen zur Lösung der Aufgabe angegeben. 🙂 Für mich ein neuer Anlass für ein Unterrichtsgespräch zum Thema Digitalisierung.

Andere Aufgaben waren natürlich leichter lösbar. So musste zum Beispiel im Bürgerbüro der Stadt ein Ferienprogramm organisiert werden. Oder im Welt-Laden der Preis für einen fair gehandelten Fußball mit dem Logo der Stadt nachgefragt werden. Da ich ortskundig bin und auch viele Personen kennen, habe ich die betreffenden Mitarbeiter vorher informiert und darum gebeten mitzuspielen. Voraussetzung war, die Jugendlichen schaffen es, höflich nachzufragen und zu agieren.

Fazit: Die Rallyes machen allen Schülerinnen und Schülern Spaß. Sie schulen Kompetenzen und Selbstbewusstsein und laden zur Nachahmung ein. Die Fotos, die während der Rallye entstanden sind, kleben wir in ein Klassentagebuch ein, damit wir immer tolle Erinnerungen haben. Am Ende bekommt jeder sein verdientes Eis am Treffpunkt.


Dies ist ein Beitrag von Christiane Vatter-Wittl

Christiane Vatter-Wittl ist erfahrene Lehrerin und Schulbuchautorin, beides aus Leidenschaft. Mit schülerfreundlichen und schnell einsetzbaren Materialien möchte sie den Arbeitsalltag der Kolleginnen und Kollegen bereichern und vereinfachen. Gerne teilt sie Ihre Erfahrungen und Ihr Wissen aus der Unterrichtspraxis.

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