Wenn die Sommerferien zu Ende gehen und für Lehrer und Schüler der Schulbeginn näher rückt, wächst die Aufregung. Nicht selten ist diese aufseiten der Lehrerinnen und Lehrer zusätzlich mit einem unangenehmen Druck verbunden, der sich spätestens in der ersten Gesamtkonferenz aufbaut. Angesichts der Fülle an Information und organisatorischen Aufgaben geraten ganze Kollegien schon vor dem ersten Schultag in Stress. Diejenigen, die ihren Stundenplan bereits haben, beginnen oftmals bereits in den Ferien damit, ganze Unterrichtseinheiten vorzubereiten. Diejenigen, die ihren Plan erst kurz vorher oder am ersten Schultag bekommen, sind ebenfalls nervös und geraten unter Zeitdruck.

Du gehörst zu keiner dieser beiden Fraktionen? Gut. Wenn aber doch, lohnt es sich vielleicht, einmal darüber nachzudenken und sich zu fragen, wie es leichter gehen könnte.

Ein entspannter Schulbeginn ist Haltungssache

Eine Herangehensweise möchte ich dir hier zeigen. Es darf meiner Meinung nach nämlich wirklich viel leichter und entspannter zugehen zum Schulbeginn. Denn, ob dich etwas stresst, hat viel mehr mit deiner persönlichen Interpretation der Situation, als mit den äußeren Umständen selbst zu tun. Dass die Umstände stressig sind, ist keine Frage. Die Frage ist vielmehr, wie du damit umgehst, welche Bedeutung du ihnen beimisst und wie du darauf reagierst?

Wie würde es sich für dich anfühlen, wenn es deine oberste Priorität wäre, die Sommerferien bis zum Schluss als unterrichtsfreie Zeit zu genießen? Vielleicht denkst du jetzt: „Ja, aber was ist mit den Nachprüfungen, der Ferienkonferenz und den Vorbereitungen auf das neue Schuljahr?“  Stimmt, es gibt gewisse berufliche Verpflichtungen schon vor dem Schulbeginn, die du wahrnehmen musst. Nachprüfungen müssen durchgeführt, die Konferenz muss besucht werden. Dies sind Tatsachen, die du nicht ändern kannst. Es trägt daher maßgeblich zu deiner Entspannung bei, wenn du sie einfach akzeptierst, anstatt dich womöglich darüber aufzuregen.

Ich selbst richte meinen Fokus auf das Wiedersehen von lieben Kolleginnen und Kollegen. So gehe ich gut gelaunt in die Prüfung oder die Konferenz und konzentriere mich auf die Informationen, die für mich relevant sind. Anschließend versuche ich noch in der Schule all die Dinge zu erledigen, die für den ersten Schultag wichtig oder nützlich sind. Innerlich akzeptiere ich diesen Tag als Arbeitstag bzw. als festen Arbeitstermin in meinen Ferien. Wenn ich das Schulhaus verlasse, freue ich mich über die noch verbleibenden Ferientage. Wenn ich am Wochenende vor Schulbeginn noch meine Tasche packen oder die ein oder andere Stunde (für den ersten oder zweiten Tag) strukturieren muss, so plane ich dies ganz bewusst ein. Die restliche Zeit jedoch gehört mir und die genieße ich ebenso bewusst.

Entspannt eine gute Grundlage schaffen

Beginnt dann schließlich die erste Schulwoche, so erwarten dich, gerade wenn du eine eigene Klasse hast, natürlich sehr viele organisatorische Aufgaben. Diese wachsen uns zwar gerne über den Kopf und benötigen viel Zeit. Aber sie müssen eben erledigt werden. Auch hier ist es meiner Meinung nach am hilfreichsten, diese Tatsache so anzunehmen, wie sie ist und die Aufgaben ganz gelassen und ohne zu hohe Ansprüche an sich selbst und die Kinder nach und nach abzuarbeiten.

Mein Hauptaugenmerk jedoch liegt in den ersten Stunden oder sogar in den ersten Tagen des neuen Schuljahres auf der Beziehungsarbeit. Erst, wenn ich dadurch eine gute Grundlage für meine Arbeit mit den Schülern geschaffen habe, beginne ich mit dem fachlichen Unterricht. Es ist für mich von größter Bedeutung, zunächst meine Schüler so gut wie nur möglich kennen zu lernen und eine angenehme und motivierende Atmosphäre zu erzeugen. Da sich dabei im Laufe der Jahre bestimmte Namensspiele und Gruppenaktionen besonders bewährt haben, sind diese Anfangsstunden schnell vorbereitet und ich starte ganz entspannt ins neue Schuljahr. Während der ersten Woche beginne ich dann zeitversetzt mit meinen fachlichen Unterrichtsvorbereitungen und der groben Strukturierung des ersten Halbjahres. Dadurch, dass ich meinen Fokus auf die Beziehungsarbeit lege, schlage ich also im Prinzip zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen erschaffe ich damit nicht nur eine tragfähige und wertvolle Grundlage für meine Arbeit in meinen Klassen und eine gute (Lern-)Atmosphäre, sondern beuge auch Unterrichtsstörungen vor. Zum anderen entlaste ich mich in meinen Ferien, indem ich für die ersten Stunden auf bewährte Konzepte zurückgreife (= geringer Zeitaufwand) und die Vorbereitungen für den Fachunterricht in die erste Schulwoche schiebe.

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Dies ist ein Beitrag von Claudia Rehder

Claudia Rehder; Bildnachweis: Eveline Conrads | Offenbach am MainClaudia Rehder ist erfahrene Lehrerin und Coach. Auf ihrer Online Plattform TeachersUp, in Workshops und Coachings bereitet sie Lehrer optimal auf ihren Beruf vor und unterstützt sie bei allen Herausforderungen des Schulalltags. Ihr Wunsch ist es, dass Lehrerinnen und Lehrer für und nicht gegen sich arbeiten.

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