Es ist nicht zu leugnen: Vielerorts ist Schule ein gehetzter Betrieb und Stress gehört für uns Lehrerinnen und Lehrer zum beruflichen Alltag. Morgens in der Schule stehen wir pausenlos im Fokus, erledigen oft fünf Dinge gleichzeitig und kümmern uns selbst in der großen Pause noch um die Bedürfnisse unserer Schüler oder sprechen noch schnell mit der Kollegin. Nach Schulschluss sitzen wir am Schreibtisch. Wir bereiten Unterricht vor, schreiben Elternbriefe, organisieren Klassenfahrten und korrigieren Tests. Dabei setzt sich der Stress vom Vormittag oft fort, da so viel zu tun ist, dass wir meinen, uns keine Pause leisten zu können. Wenn abends dann doch mal Zeit bleibt, verabreden wir uns mit Freunden, um auch einmal etwas für uns zu tun. Wieder zu Hause stellen wir dann fest, dass es zwar ein lustiger Abend war, wir uns aber eigentlich noch geschlauchter als vorher fühlen. Der gewünschte Effekt, sich damit etwas Gutes zu tun und die Energiereserven wieder aufzutanken, ist ausgeblieben.

Wir befinden uns dauerhaft im Stress. Unser Körper schaltet nach der Stressreaktion nicht mehr zurück in den Normalbetrieb, sondern lässt quasi den Motor weiter auf Hochtouren laufen. Diese kontinuierliche Ausschüttung von Stresshormonen kann schwere gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Umso wichtiger ist es, gut auf sich selbst zu achten und dem im Interesse der eigenen Gesundheit entgegen zu wirken. Die drei folgenden Tipps können dazu einen wertvollen Beitrag leisten.

Auch Hunger und Durst stressen den Körper

Wie bereits beschrieben, bleibt am Vormittag in der Schule kaum Zeit für Erholung. Häufig haben wir noch nicht einmal Zeit, etwas zu essen oder zu trinken. Das ist fatal. Denn auch Hunger und Durst lösen im Körper eine Stress-Reaktion aus, da es in diesem Zusammenhang auf biologischer Ebene ums Überleben geht. Daher ist es enorm hilfreich und wichtig, dass du darauf achtest, genug zu trinken und ab und zu eine Kleinigkeit zu essen. Dazu reicht es vermutlich nicht, wenn du im Lehrerzimmer eine Flasche Wasser und etwas zum Essen bereithältst, weil du dort oft besonders abgelenkt bist oder es bis dorthin gar nicht schaffst, weil du unterwegs aufgehalten wirst oder Pausenaufsicht hast.

Stecke dir zusätzlich einfach eine kleine Trinkflasche und ein paar Nüsse oder Trockenfrüchte in deine Schultasche. Gewöhne dir an, vor oder nach jeder Schulstunde einen Schluck zu trinken und knabbere auf dem Weg zur nächsten Klasse drei oder vier Nüsse. So gibst du deinem Körper wertvolle Energie und verhinderst gleichzeitig die berühmten Heißhungerattacken, die so manch einen nach der Schule heimsuchen.

Erholsame Unterbrechungen sparen Zeit

Wenn wir viel zu tun haben, tendieren wir meist dazu, ohne Unterbrechung zu arbeiten. Wir haben das Gefühl, dass all die Zeit, die wir mit etwas anderem verbringen, verlorene Zeit ist. So verkneifen wir uns manchmal sogar die Tasse Kaffee oder den Toilettengang. Ein Spaziergang in solchen Stressphasen erscheint uns eine reine Zeitverschwendung zu sein. Dabei sind genau diese Unterbrechungen so erholsam und wichtig für unser Gehirn und erlauben uns ein fokussierteres Arbeiten. Probiere doch mal die Pomodoro-Technik von Francesco Cirillo und mache nach 25 Minuten fünf Minuten Pause, indem du z. B. Musik hörst oder in der Küche eine Tasse Kaffee trinkst. Nach vier Intervallen gönnst du dir dann 30 Minuten Pause und machst einen Spaziergang. Du wirst sehen, dass du so deine Zeit viel effizienter nutzen kannst und insgesamt besser vorankommst.

Energie gewinnen, aber richtig

Wenn du erschöpft bist, ist es dir sicherlich wichtig, deine Energiereserven wieder gut aufzufüllen. Dies gelingt dir, indem du etwas für dich tust. Was die meisten von uns dabei vergessen, ist, dass es etwas sein muss, das dir und deiner Persönlichkeit entspricht. Was für einen anderen erholsam ist, muss es für dich noch lange nicht sein. Die Frage ist, woher du persönlich deine Lebensenergie beziehst?

Fühlst du dich energievoll, wenn du aktiv und unter Menschen bist? Sprühst du nach einer tollen Party nur so vor Energie? Redest du gerne mit anderen, bist offen und hast viele Freunde?

Oder bist du gerne allein und genießt die Ruhe? Schreibst du deine Gedanken gerne auf und reflektierst Dinge, die geschehen sind? Hast du eher wenige, gute Freunde und hörst lieber zu, als selbst zu reden?

Was entspricht dir tendenziell mehr? Dies für dich herauszufinden, ist sehr wichtig. Denn wenn du von deiner Persönlichkeit her eher der zweiten Beschreibung entsprichst, dann wird klar, warum dir ein Treffen mit deinen Freunden nach einem langen Arbeitstag eher Energie raubt. Viel mehr Energie hätte dir vielleicht ein Abend auf dem Sofa mit deinem Lieblingsbuch geschenkt.

Wenn du dich hingegen eher in der ersten Beschreibung wiederfindest, füllst du deine Energiespeicher vielleicht am besten, indem du dich unter Leute begibst und mal so richtig abtanzt.

Letztendlich geht es also immer darum, herauszufinden, was dich persönlich stresst und was dir persönlich gut tut. Darauf zu achten, ist ein wichtiger Schritt, um Stress zu minimieren und das individuelle Energielevel wieder zu erhöhen.

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Dies ist ein Beitrag von Claudia Rehder

Claudia Rehder; Bildnachweis: Eveline Conrads | Offenbach am MainClaudia Rehder ist erfahrene Lehrerin und Coach. Auf ihrer Online Plattform TeachersUp, in Workshops und Coachings bereitet sie Lehrer optimal auf ihren Beruf vor und unterstützt sie bei allen Herausforderungen des Schulalltags. Ihr Wunsch ist es, dass Lehrerinnen und Lehrer für und nicht gegen sich arbeiten.

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