Das Thema Digitalisierung ist derzeit in aller Munde. Das Bundesland Bayern hat den sogenannten Digitalisierungspakt gestartet, bei dem alle Schulen mit LAN, W-LAN und/oder entsprechender technischer Ausstattung versorgt werden sollen. Die Systembetreuer geben ihr Bestes um entsprechende Pakete zu schnüren und auf die jeweilige Schule angepasste Lösungen zu finden. In der Zwischenzeit werden zusätzlich viele Fortbildungen zum Thema Digitalisierung angeboten. Ich durfte vor kurzem eine solche Fortbildung besuchen. Oberthema war zwar der neue Lehrplan plus für das Fach „Wirtschaft und Beruf“ in den Klassen 7 bis 9. Unterthema war allerdings die Umsetzung des Lehrplans in diesem Fach mit digitalen Möglichkeiten.

So durfte ich zum Beispiel zum ersten Mal eine VR-Brille testen. Dabei besuchte ich einen Auszubildenden in einem virtuellen Hotel und konnte dort in alle Ecken sehen. Spannend und sehr aufschlussreich, auch zur Umsetzung mit den Schülern.

Wichtiger Konsens, den wir Kollegen alle erschlossen, dass es eine einfache Grundausstattung braucht, die leicht zu bedienen ist. Bereits vor vielen Jahren, als die ersten Computer in die Klassenzimmer einzogen, ging es doch durchaus rasant, dass einzelne Schüler sowohl Software als auch Hardware besser verstehen als die jeweiligen Kollegen.

Gerade mit der heutigen Generation wachsen Kinder und Jugendliche heran, die sich eine Zeit ohne Smartphone und Co gar nicht mehr vorstellen können. Wenn sie diesen SchülerInnen sagen, dass Sie älter als das Internet sind, werden die das kaum glauben.

Doch ist es wirklich so, dass die Kids, die mit dem Handy aufwachsen und schon im Kleinkindalter auf einem Tablet hin- und herwischen können, auch schon geschulter in der Benutzung der Geräte sind? Ich denke nein. Zwar kennen sie sich mit den Geräten und einigen Apps aus, doch kratzt dies doch nur an der Oberfläche dessen, was die technischen Neuerungen wirklich leisten können.

Besonders deutlich wird dies im Unterricht ja spätestens bei Referaten und Recherchemöglichkeiten, die die Jugendlichen nutzen sollen.

Musste ich mich in meiner Schulzeit noch hinsetzen und mühevoll Bücher aussuchen, diese lesen und exzerpieren um die Informationen dann für ein gelungenes Referat aufzubereiten, so setzen sich viele (ich möchte nicht alle SchülerInnen über einen Kamm scheren, Ausnahmen gibt es gewiss zahlreiche) Jugendliche heute hin und geben ihre Schlagwörter in eine Suchmaschine ein. Dann ist es allerdings so, dass die Treffer, die die Suchmaschinen ausspucken, gar nicht mehr richtig angeschaut, geschweige denn, selbst gefiltert oder gar hinterfragt werden. Leider begegnen einem im Schulalltag immer wieder Referate, die eins zu eins Auszüge aus einem großen Onlinelexikon sind und sich nicht einmal die Mühe gemacht wurde, die blauen Sätze für die Verlinkungen zu schwärzen.

Bestes Beispiel, leider tatsächlich so in unserer Projektprüfung heuer passiert: Das Thema in der Projektprüfung war unter anderem der „Verbraucherschutz“. Die SchülerInnen bekamen auch toll aufbereitetes Material von ihrem Wirtschaftslehrer, das sie leicht lernen konnten. Im Zuge der Projektprüfung müssen die Prüflinge ja auch immer eine Präsentation erarbeiten. In dieser soll auch das Thema „Verbraucherschutz“ wieder aufgegriffen werden.

Die Themenstellung war in etwas folgende: „Du bist Azubi im Hotel Adler und ihr sollt eine Veranstaltung zum Thema Verbraucherschutz organisieren. Die Wirtschaftsgruppe wird sich um die Einladungen kümmern. (…) Achtet auch auf die Auswahl des passenden Papiers für die Einladungen. Wähle ein Gütesiegel aus, dass dir bei der Bestellung eines umweltfreundlichen Papiers hilft.“ Lange Rede, kurzer Sinn: Der Prüfling wählte das Gütesiegel der Fleischerei- und Wurstindustrie aus – für Papierbestellungen eher ungünstig.

Es liegt an uns Lehrern, den Kindern und Jugendlichen beizubringen, dass sie den Fokus nicht immer auf den einfachsten Weg legen, um an Informationen zu kommen.

Betrachten Sie mit den Kids im Unterricht auch einmal die ersten Ergebnisse, die in der Suchmaschine ausgespuckt werden. Hinterfragen Sie die Ergebnisse, wenn sie vielleicht sogar inhaltlich passen sollten, dann sprachlich. Konfrontieren Sie die Kids mit dem Vokabular, dass sie wahrscheinlich nicht einmal richtig aussprechen können, geschweige denn verstehen. Stellen Sie auch einmal wieder Alternativen vor. Besuchen sie eine Bibliothek, stellen Se Sachbücher mit tollen Bildern zur Verfügung…

Ein sehr geschätzter Kollege von mir geht sogar so weit, dass er regelmäßig für seine achte Klasse einen eigenen Eintrag im Online-Lexikon schreibt. (Keine Angst, er löscht diese nach Gebrauch sofort wieder), aber damit zeigt er seinen Schülern auf, wie wichtig es ist, auch im Internet genau hinzuschauen. Gerade in Zeiten von Fake-News wird es immer wichtiger, dass unsere jetzige Schülergeneration wieder lernt genau hinzuschauen. Wie man Fake-News erkennt, lesen Sie in meinem nächsten Beitrag.

Doch zurück zur Digitalisierung im Klassenzimmer:

Ich finde es sehr gut, dass die Regierung die Zeichen der Zeit erkannt hat und die Digitalisierung voranschreitet. Doch ist die technische Ausstattung das eine. Das genaue hinschauen das andere. Vereinen Sie beides miteinander so gut sie können, dann werden sie die Chancen der digitalen Medien für sich und ihre SchülerInnen gut nutzen können. Vergessen wir dabei aber nicht Altbewährtes: Nicht umsonst hat Gutenbergs Buchdruck vor fast 600 Jahren die Welt des Wissens revolutioniert.

Viel Spaß, Ihre Christiane Vatter-Wittl


 

Dies ist ein Beitrag von Christiane Vatter-Wittl

Christiane Vatter-Wittl ist erfahrene Lehrerin und Schulbuchautorin, beides aus Leidenschaft. Mit schülerfreundlichen und schnell einsetzbaren Materialien möchte sie den Arbeitsalltag der Kolleginnen und Kollegen bereichern und vereinfachen. Gerne teilt sie Ihre Erfahrungen und Ihr Wissen aus der Unterrichtspraxis.

Mehr von Christiane Vatter-Wittl sowie ihren eigenen Blog findest du hier:

https://lehrermarktplatz.de/autor/810/christiane-vatter-wittl
https://www.instagram.com/mymommyisateacher/