Die Korrekturen von Klassenarbeiten und das Durchsehen und Bewerten von Ordnern und Heften sind ein mühsames und vor allem zeitraubendes Geschäft. Wer schon einmal 28 Deutschaufsätze einer 5. Klasse oder einen beliebigen anderen Klassensatz an Heften korrigiert hat, weiß, wovon ich spreche.

Während sich ein Vokabeltest oder ein kurzes Übungsdiktat recht zügig korrigieren lassen, beanspruchen Klassenarbeiten oft ein Vielfaches an Zeit. Wenn du für einen Deutschaufsatz etwa 30  Minuten Zeit einrechnest, würdest du bei 28 Heften 14 Stunden Zeit für die gesamte Korrektur benötigen. Dass sich das nicht an einem Nachmittag erledigen lässt, liegt auf der Hand.

Du als Lehrerin bzw. Lehrer kennst das. Um deine Schulter hängt schwer die Stofftasche mit der Klassenarbeit. Du nimmst sie heraus und legst den gelben, roten oder blauen Stapel auf deinen Schreibtisch. Am Anfang liegen die Hefte wie ein Berg vor dir. Ein Berg, der abgetragen werden will. Auch du willst ihn gerne lieber heute als morgen abtragen. Aber du weißt auch, wie viel Zeit es kosten wird und siehst schon die nächste Nachtschicht auf dich zukommen. Und deine Teilnahme am sonntäglichen Familienausflug rückt ebenfalls in weite Ferne.

Dein Druck steigt

Als du am nächsten Morgen in die Schule kommst, fragen dich die Schüler, noch bevor du sie begrüßt hast, aufgeregt nach der Klassenarbeit. Nein, ich bin noch nicht fertig, antwortest du und siehst die Enttäuschung auf ihren Gesichtern. Eine Enttäuschung, die nun von Tag zu Tag zunehmen wird. Denn Korrekturen sind eben nicht nur zeitaufwändig, sondern auch ermüdend. Höchste Konzentration ist erforderlich und wenn man 28 Variationen der selben Bildergeschichte lesen muss, schaltet das Gehirn zwangsläufig irgendwann auf Standby.

Hinzu kommt der Anspruch, den wir an uns selbst haben. Schließlich wollen wir die Korrekturen sorgfältig durchführen und zu einer gerechten Benotung gelangen, die wir dann auch gegenüber Schülern und Eltern vertreten können.

Wenn du dann nach zwei Nachtschichten und einem Power-Korrekturwochenende die roten Hefte zurück in die Stofftasche schiebst, fühlst du dich jedoch nur bedingt erleichtert. Denn schon morgen wirst du genau diese Stofftaschen – jetzt gefüllt mit blauen Heften – wieder mit nach Hause bringen.

Zugegeben – Zeiten, in denen zu der normalen Unterrichtsvorbereitung verstärkt Korrekturen hinzukommen, sind stressig. Die Frage ist jedoch, wie du dich in genau diesen Zeiten gezielt entlasten kannst?

Entlaste dich durch Gelassenheit und Struktur

Zunächst einmal gilt es den Druck zu minimieren, den du dir selbst machst und der durch schulorganisatorische Umstände, wie die Häufung von Arbeiten und die Nachfragen der Schüler noch verstärkt wird. Versuche gelassen zu bleiben und dein schlechtes Gewissen abzustellen. Es kommt nicht darauf an, ob du die Arbeit heute oder erst in einer Woche zurück gibst. Rede mit deinen Klassen ganz offen darüber, dass du mindestens eine Woche für die Korrekturen brauchen wirst. Kannst du die Arbeit dann ganz unerwartet früher zurückgeben, ist die Freude umso größer.

Ebenso wichtig ist es, dass du Struktur in deine Korrekturarbeit bringst, indem du den Berg an Heften in viele kleine Portionen aufteilst. Das hat den Vorteil, dass dir diese Aufgabe damit gleich machbarer erscheint. Wie kannst du das konkret tun?

Nun, eine sehr gute Möglichkeit ist beispielsweise eine Hängeregistratur. Mit Hilfe von 14 Mappen, die du mit den Wochentagen beschriftest, kannst du die jeweils vor dir liegenden zwei Wochen sehr einfach planen. Der Grundgedanke dahinter ist, dass alles, was an einem Tag erledigt werden soll, in der jeweiligen Mappe gesammelt wird. So brauchst du nur noch in der aktuellen Tagesmappe zu schauen, was ansteht und arbeitest nur noch ab.

Bezogen auf die Korrekturen würde dies bedeuten, dass du dir die 28 Hefte in machbare Portionen aufteilst. Dies können zahlenmäßig gleiche Portionen sein oder sehr unterschiedlich große. Hast du beispielsweise an einem Tag wenig Zeit oder musst noch einen Vokabeltest korrigieren, packst du vielleicht nur zwei Hefte in die Tagesmappe. Wenn du beschließt, dir am Samstag mehr Zeit zu nehmen, legst du vielleicht sechs Hefte oder mehr hinein.

Genauso kannst du natürlich auch mit allen anderen anstehenden Aufgaben verfahren und dadurch nicht nur deine Arbeit, sondern auch deine Kräfte und Ressourcen sinnvoll einteilen. Du wirst sehen, was für ein gutes Gefühl es ist, wenn du am Ende des Tages die leere Tagesmappe zurück nach hinten in die Hängeregistratur hängst. Nicht Erledigtes wandert übrigens einfach in die Mappe für den nächsten Tag.

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Dies ist ein Beitrag von Claudia Rehder

Claudia Rehder; Bildnachweis: Eveline Conrads | Offenbach am MainClaudia Rehder ist erfahrene Lehrerin und Coach. Auf ihrer Online Plattform TeachersUp, in Workshops und Coachings bereitet sie Lehrer optimal auf ihren Beruf vor und unterstützt sie bei allen Herausforderungen des Schulalltags. Ihr Wunsch ist es, dass Lehrerinnen und Lehrer für und nicht gegen sich arbeiten.

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