Die Zehn Gebote für Jugendliche: neue FWU-Produktion für den Religionsunterricht – ein Interview mit unserem Referenten für evangelische Religion und Ethik

Wie lassen sich die Zehn Gebote in den Alltag von Jugendlichen übertragen, denen man heute nicht mehr einfach mit „Du sollst…“ oder „Du darfst nicht…“ kommen kann?

Wir unterstützen Religionspädagoginnen und -pädagogen mit vier kurzen Filmen aus der Lebenswelt heutiger Jugendlicher, die ergebnisoffen enden – und somit als Impulsfilme für den gemeinsamen Austausch in der Klasse bzw. der Gruppe eingesetzt werden können. Darüber hinaus gibt es ein ergänzendes Interview mit dem Theologen Prof. Dr. Rosenstock, der die Gebote in ihren historischen Kontext einordnet und dabei Bezug auf die Gegenwart sowie die vier Impulsfilme nimmt.
Im umfangreichen Arbeitsmaterial zu dieser Produktion gehen wir auch der Frage nach, welche Gebote es in anderen Religionen gibt, zum Beispiel im Islam und im Buddhismus.

Welche Vorteile ergeben sich für Religionspädagoginnen und -pädagogen, wenn sie die Unterrichtseinheit zu den „Zehn Geboten“ mit der vorliegenden FWU-Produktion erarbeiten?

Dadurch, dass die Zehn Gebote in der Gegenwart und dem Alltag von Jugendlichen verortet werden, ist man sofort bei der Sache. Indem junge Menschen in Dilemma-Situationen gezeigt werden, in denen sie eine moralische Entscheidung treffen müssen, wird die Relevanz des Dekalogs unmittelbar sichtbar. Die Filme haben ein offenes Ende, sodass die Schülerinnen und Schüler selbst gefragt sind und zu einer eigenen, ethisch reflektierten Entscheidung gelangen müssen.

Welchen Tipp würdest Du Religionspädagoginnen und -pädagogen bzgl. der Verwendung des Films im Unterricht geben?

Der Einsatz des Materials ist auf vielfältige Weise möglich. Man kann mit einem oder mehreren der Kurzfilme einsteigen und sich zunächst auf die Dilemmasituationen und die damit verbundenen Fragen konzentrieren. Im Anschluss kann das Interview mit Roland Rosenstock herangezogen werden, bei dem die Hintergründe des Dekalogs und der einzelnen Gebote erläutert werden. Die konkrete Arbeitsphase lässt sich anhand der beigefügten Arbeitsblätter durchführen.

Können die Zehn Gebote im Alltag der Jugendlichen überhaupt noch relevant sein?

In den Zehn Geboten sind die Erfahrungen vieler Jahrhunderte zusammengefasst – grundlegende Regeln, die für das menschliche Zusammenleben unabdingbar sind. Gebote wie „Du sollst nicht töten“ oder „Du sollst nicht lügen“ gibt es in vielen Religionen und sind auch im Sinne einer philosophischen Ethik begründbar. Insofern ist die Relevanz der Zehn Gebote für die Gegenwart durchaus gegeben. Die Produktion möchte Lehrkräfte dabei unterstützen, diese Relevanz sichtbar zu machen.

Sind die Zehn Gebote „Auslegungssache“ oder sind sie streng genommen gar nicht „verhandelbar“? Wie kann im Unterricht dieser Widerspruch am besten aufgelöst werden?

Jegliche Auseinandersetzung mit der biblischen Tradition ist Auslegungssache. Ein scheinbar einfaches Gebot wie „Du sollst nicht töten“ ist keineswegs so eindeutig, wie es zunächst klingt. Was ist mit Notwehr? Gilt das Tötungsverbot auch im Krieg? Und bezieht sich das Gebot nur auf Menschen oder auch auf Tiere, vielleicht sogar Pflanzen? Man sieht: Um die Interpretation der Gebote kommt man nicht umhin.

Über Sebastian Freisleder: „Mein Name ist Sebastian Freisleder, ich arbeite seit 2011 als Referent für evangelische Religion und Ethik am FWU. Produktionen wie die Kurzfilme zu den Zehn Geboten finde ich besonders reizvoll, da sie eine Brücke zwischen der jüdisch-christlichen Tradition einerseits und der Lebenswelt heutiger Jugendlicher andererseits schlagen können. Dieser Dialog zwischen Tradition und Gegenwart liegt mir besonders am Herzen.“

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Neugierig? Mehr Informationen über die FWU-Produktion „Die Zehn Gebote für Jugentliche“ findet Ihr hier:
https://www.fwu-shop.de/die-zehn-gebote-fuer-jugendliche.ht…
https://www.fwu-mediathek.de/record?id=xfwu-5511425