Christina König ist eine veritable OER-Expertin: Sie leitet den Redaktionsbereich Schule bei OERinfo. Weil OER-Medien im Schulalltag eine immer größere Rolle spielen, wollten wir von Christina wissen, worauf es im Umgang mit OER wirklich ankommt!

Welche Vorteile bringen OER für Lehrerinnen und Lehrer im Unterrichtsalltag?

>> Jede Lehrkraft kennt vermutlich das Problem: man recherchiert im Internet nach Materialien für die nächste Unterrichtsstunde, findet ein interessantes Erklärvideo und ein gut aufbereitetes Arbeitsblatt dazu und weiß nicht, ob man das im Unterricht einsetzen oder sogar abändern kann. OER können in so einem Fall eine gute Abhilfe schaffen, weil sie mit einer einfachen Lizenzstruktur die Arbeit mit solchen Materialien erleichtern. Stichwort „Alles über OER auf einem Bierdeckel„. Der Bierdeckel steht übrigens selbstverständlich unter einer freien Lizenz und kann nach Herzenslust verwendet, weiterverbreitet und bearbeitet werden!

Was können OER leisten?

>> Wissen wird mehr, wenn man es teilt. Das ist eines der prägnantesten Merkmale von frei verfügbaren Bildungsmedien. Je mehr Lehrende und Lernende mitmachen, desto interessanter und vielfältiger wird das Ergebnis. Am besten ist es natürlich, wenn Materialien nicht nur verwendet, sondern weiterentwickelt werden. Vor allem, wenn es um digitale Medien geht, die im Internet verfügbar sind, bieten sich da natürlich tolle Möglichkeiten. Schließlich darf man OER verbreiten, verändern und remixen. Und über den Tellerrand geguckt, beinhaltet der OER-Gedanke global betrachtet auch ein enormes Potential für alle, die nur schwer Zugang zu Bildung erhalten können, zum Beispiel in wenig entwickelten Ländern.

Und auf der anderen Seite – wo sind die Grenzen von OER?

>> Jetzt geht es erst mal darum, Vorbehalte gegenüber OER auszuräumen. Viele Lehrkräfte scheuen sich zum Beispiel davor, sich mit der Freigabe ihrer Materialien gewissermaßen zu transparent und angreifbar zu machen. Wir von der OER-Infostelle versuchen, mit Vernetzung und Öffnung der community gegenzusteuern. Wir wollen die Leute neugierig auf das Thema und ihnen Mut zu machen. Man muss aber auch sagen, dass OER nicht die Pauschallösung für sämtliche Bedürfnisse in der Schule und anderen Bildungsbereichen sind. Aufwändig produzierte Unterrichtsfilme zum Beispiel haben auch in Zukunft ihren Preis.

Gibt es irgendwelche rechtliche Fallstricke, die beachtet werden müssen?

>> Das Urheberrecht wird durch OER ja nicht ausgehebelt. Und auch die freien Lizenzen – mittlerweile haben sich die CC-Lizenzen in diesem Bereich ziemlich gut durchgesetzt – haben natürlich ihre Besonderheiten, die man beachten muss. Die TULLU-Regel hilft dabei. Ein wenig Arbeit macht es schon, sich mit den einzelnen Lizenzformen auseinanderzusetzen. Mit ein bisschen Übung und dem richtigen Handwerkszeug – zu finden auf OERinfo – kommt man da aber schnell klar. Es lohnt sich auf jeden Fall!

Wo finde ich gute OER?

>> Es gibt mittlerweile ein großes und stetig wachsendes Angebot an Plattformen und Materialien, die sich dem Thema der frei verfügbaren Bildungsmaterialien verschrieben haben – auch für die Hand von Schülerinnen und Schülern. Auf OERinfo finden alle Interessierten ein breites Angebot. Auch Tipps zum Einsatz von OER im Unterricht, OER für die Schülerhand und vieles mehr finden sich bei der Informationsstelle.

Was muss ich machen, um selber OER zu erstellen?

>> Einen super Kurzüberblick, wie das mit dem OER selber machen funktioniert, bietet zum Beispiel der Film „OER Kompakt – Wie erstelle und teile ich OER?“ der ebenfalls im Rahmen des Projekts LOERn entstanden ist. Und natürlich findet man auch auf der Informationsstelle OER jede Menge weitere Hilfsmaterialien zu dem Thema, wie den Lizenzhinweisgenerator oder die Toolsammlung des digital learning lab.

Ihr seht, es kann sich auf alle Fälle lohnen, sich mit OER auseinanderzusetzen! Vielen Dank für das Interview, Christina!